Was ist ein Schocktrauma? Wie entsteht es ?
Jedes Ereignis, das unser Gefühl von Sicherheit und Halt durchbricht, kann die Art und Weise, wie wir mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen umgehen nachhaltig beeinflussen. Dabei haben traumatisierende Ereignisse vielerlei Gestalt. Denn nicht nur Gewalt, Krieg und Naturkatastrophen sind dabei zu beachten, sondern auch Unfälle, Stürze, Operationen, zahnmedizinische Behandlungen, schwere oder chronische Krankheit und der Verlust eines nahen Menschen.
Die genannten Ereignisse können zu einem Schocktrauma führen, also ein in sich abgeschlossenes singuläres Ereignis, dass Spuren in unserem Nervensystem hinterläßt.
Denn Menschen reagieren ebenso wie Tiere in derartigen Bedrohungssituationen primär instinktiv und biologisch und erst sekundär psychisch und kognitiv. Daher ist ein Trauma eine biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine existenzbedrohende Situation. Wenn ein lebensbedrohliches Ereignis so überwältigend ist, dass die instiktiven Überlebensreflexe für Flucht und Kampf nicht ausgeführt werden können, bleibt als letzte Strategie der Totstellreflex. Sobald dieser einsetzt wird die hohe Energie eingefroren, die Aktivierung im Nervensystem kann sich nicht entladen und hält den Menschen in der Zeit und im Ereignis in Immobilität gefangen.
Für die Regulation des Nervensystems und somit Auflösung einer Schocktraumatisierung kann der Ansatz von Somatic Experiencing(SE)® hilfreich sein.
Was ist ein Entwicklungstrauma bzw. Bindungstrauma? Wie entsteht es?
Ein Entwicklungstrauma entsteht durch viele vereinzelte fundamentale und wiederkehrende Verletzungen der Seele. Es hat seinen Ursprung in der frühen Kindheit und dauert über einen längeren Zeitraum an. Diese Verletzungen beeinflussen die frühe Bindung zu den Bezugspersonen und des Menschen zu sich selbst. Daher geht ein Entwicklungstrauma immer mit einem Bindungstrauma einher.
Beispielhaft zu nennen ist, wenn ein Mensch mit der fehlenden Resonanz durch die Bezugspersonen oder deren (emotionaler) Überforderung aufwuchs, erfährt er dadurch keine Sicherheit in der Bindung zu den Bezugspersonen, das geht mit erhöhtem Bindungsstress und emotionaler Unsicherheit einher.
Dies kann geschehen wenn er in einem autoritären, emotionskalten oder chaotischen Elternhaus aufwächst, Demütigung, Ablehnung oder Abwertung durch die Bezugspersonen auf direkte oder subtile Art erfährt. Oder die Bezugspersonen unter psychischen Erkrankungen (z.B. Depression, Alkoholmissbrauch) oder Persönlichkeitsstörungen (z.B. narzisstische oder emotional instabile) leiden und der Mensch Verantwortung für die Bezugsperson übernehmen muss.
Zu einem Entwicklungstrauma können auch Bindungsabbrüche führen, z.B. bei einem längeren Krankenhausaufenthalt des Menschen oder der Bezugsperson, ebenso wie rigide Erziehungsmethoden oder mangelnde Einfühlsamkeit der Bezugspersonen für die Bedürfnisse des Kindes.
Oft zeigt sich ein Entwicklungstrauma bzw. Bindungstrauma erst im weitere Verlauf des Lebens.:
- im Gefühl von „nicht richtig oder gut genug zu sein“ oder „nicht erwünscht zu sein“
- mit chronischer Selbstkritik oder Selbstabwertung
- Gefühle von Scham und Schuld
- Gefühl nie sicher zu sein oder angekommen zu sein
- Gefühl der innere Leere und des Abgeschnittenseins von sich selbst
- in speziellen Beziehungsmustern geprägt von übertriebener Nähe, erhöhtem Rückzug oder einer Anpassung an den Partner bis zur Selbstaufgabe
- in körperlicher Anspannung oder Erschöpfung, Depressionen und Ängsten sowie chronischen Krankheiten bzw. chronischen Schmerzen
Nachdem diese frühen Erfahrungen tief im Nervensystem und Organismus verankert sind, entziehen sie sich oft kognitiven Psychotherapien und es sind körperbezogene und bindungsorientierte Therapieansätze zu empfehlen. Der Ansatz der körperorientierten Traumatherapie verbindet dies und eröffnet bei einem Entwicklungstrauma einen Raum, in dem Erfahrungen von Orientierung, Kontakt zu sich und Anderen und gefühlte Sicherheit möglich werden.
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